Wer ist Peter Steinberger?
Peter Steinberger, ein Mann aus Österreich, baut dreizehn Jahre lang ein Produkt, das auf über einer Milliarde Geräten läuft. Verkauft es. Verschwindet. Und kommt drei Jahre später zurück, um mit einem Hummer-Maskottchen das Internet aufzumischen. WTF?!
Vom 100-Millionen-Exit über Burnout zu OpenClaw und OpenAI. Die Geschichte des Österreichers, der KI-Agenten neu definiert.
Das ist keine Netflix-Serie. Das ist die Geschichte von Peter Steinberger, dem OpenClaw Gründer. Und sie ist einer der Gründe, warum mich das Thema KI-Agenten nicht mehr loslässt. Nicht wegen der Technologie, sondern wegen dem, was dahintersteckt. Ein Mensch, der sich selbst verloren hat. Und beim Wiederfinden etwas gebaut hat, das gerade die KI-Spielregeln verändert.

Ich bin kein Peter Steinberger. Aber als jemand, der seit 2019 sein eigenes Ding baut mit wenighair, kenne ich dieses Gefühl: Du gibst alles rein, und irgendwann fragst du dich, ob das alles war. Seine Geschichte ist kein Heldennarrativ. Sie ist ein Spiegel.
13 Jahre, eine Milliarde Geräte, null Energie
Peter Steinberger ist Österreicher. Aus Wien, nicht aus dem Silicon Valley. Und das ist wichtig für die Geschichte.
2011 startet er PSPDFKit – ein Software-Development-Kit für PDF-Verarbeitung. Klingt unglamourös? Ist es auch. Aber genau das macht die Sache interessant. Sein Produkt steckt in Apps von Dropbox, SAP, Volkswagen, DocuSign. Fast eine Milliarde Geräte weltweit. Ein unsichtbarer Gigant, bootstrapped aus Wien, ohne das typische Venture-Capital-Drehbuch.
Was von außen nach Bilderbuch-Exit aussieht, fühlt sich innen anders an:
- 13 Jahre lang jedes Wochenende gearbeitet
- Vom Solo-Entwickler zum CEO einer 70-köpfigen Remote-Firma gewachsen
- Konflikte mit Co-Foundern, Hochstress-Situationen mit Kunden
- Am Ende ein neunstelliger Deal mit Insight Partners – und ein Gründer, der innerlich leer ist
Was Burnout wirklich auslöst
In seinem Blogpost "Finding My Spark Again" schreibt er, dass er sich nach dem Verkauf "komplett gebrochen" fühlte. 200 Prozent seiner Zeit, Energie und Herzblut hat er in das Unternehmen gesteckt. Als es weg war, war wenig übrig.
Was bleibt von dir, wenn du das Ding verkaufst, das du dreizehn Jahre lang warst?
Was ihn zerrieben hat, war nicht die Arbeit selbst. Sondern die Menschen-Arbeit drumherum: Konflikte mit Co-Foundern, Hochdruck-Situationen mit Kunden, das ganze CEO-Paket. Irgendwann konnte er keinen Code mehr schreiben. Er saß nur noch da und starrte auf einen leeren Bildschirm.
Drei Jahre Funkstille folgten. Kein Code, keine Projekte, keine öffentlichen Auftritte. Steinberger buchte ein One-Way-Ticket nach Madrid und versuchte, das Leben nachzuholen, das er verpasst hatte. Seine eigene Beschreibung dieser Phase? Er saß vor dem Bildschirm und fühlte sich, als hätte man ihm – wie bei Austin Powers – das Mojo abgesaugt.
Ich muss offen sagen: Diesen Teil der Geschichte finde ich fast wichtiger als OpenClaw selbst.
Der Moment, in dem es wieder Spaß macht
2024 entdeckt Steinberger künstliche Intelligenz. Nicht als Buzzword, sondern als Werkzeug, das ihm das Bauen zurückgibt. Er beginnt mit Claude Code zu experimentieren und merkt: Er muss nicht mehr jede Zeile selbst schreiben. Er kann Systeme orchestrieren, statt sich in Syntax zu verlieren.
Auf GitHub steht seitdem seine Selbstbeschreibung: "Came back from retirement to mess with AI." Mega! xaxaxa
Im November 2025 hackt er an einem Wochenende einen Prototyp zusammen, eigentlich nur, um WhatsApp mit einem KI-Modell zu verbinden. Das Ding funktioniert. Und dann passiert etwas, womit niemand rechnet: OpenClaw explodiert. Über 200.000+ GitHub Stars. 2 Millionen Besucher in einer Woche. Das schnellstwachsende Repository in der Geschichte von GitHub.
Was OpenClaw von einem normalen Chatbot unterscheidet:
- Es läuft lokal auf deinem eigenen Rechner, nicht in irgendeiner Cloud
- Du sprichst mit deinem KI-Agenten über WhatsApp, Telegram oder Signal – wie mit einem Freund
- Der Agent kann Shell-Kommandos ausführen, Smart-Home-Geräte steuern, Flüge einchecken
- Seine Persönlichkeit entsteht aus Markdown-Dateien, die du selbst gestaltest
Peter nennt OpenClaw "einen seltsamen Freund, der auf deinem Computer lebt". Ich weiß nicht, ob das beruhigend oder beunruhigend ist. Vermutlich beides.
Und dann ging alles sehr schnell. Im Februar 2026 lagen Angebote von Meta und OpenAI auf dem Tisch. Mark Zuckerberg hatte OpenClaw persönlich getestet. Sam Altman wollte ihn rekrutieren. Jeder VC im Valley saß in seiner Inbox.
Er hätte eine Firma gründen können. Milliarden-Bewertung, Funding-Runden, das volle Programm. Aber in seinem Blogpost schreibt er einen Satz, der bei mir hängen geblieben ist: "I want to change the world, not build a large company." Er hat das Firmen-Spiel schon einmal gespielt. Dreizehn Jahre lang. Es hat ihn kaputt gemacht. Warum noch einmal?

Stattdessen wechselt er zu OpenAI. Nicht als Angestellter, der einfach seine Arbeit macht. Sondern mit einer Mission: einen KI-Agenten bauen, den selbst seine Mutter benutzen kann. OpenClaw wird eine unabhängige Foundation, finanziert von OpenAI, aber formal eigenständig. Open Source bleibt. Nicht verhandelbar.
Ein Mann, der mit einem neunstelligen Exit in Rente ging, hat sein nächstes Ding nicht für Geld gebaut. Sondern weil es wieder Spaß gemacht hat. Und als alle ihn kaufen wollten, hat er sich den Ort ausgesucht, an dem er am schnellsten die meisten Menschen erreichen kann.

Obwohl... "einfach spielen" ist leicht gesagt, wenn man dreizehn Jahre Erfahrung und einen neunstelligen Exit als Sprungbrett hat. Peter Steinberger ist nicht irgendein Bastler. Er ist ein hochkarätiger Ingenieur, der heute fünf bis zehn KI-Agenten gleichzeitig orchestriert und 600 Commits an einem Tag merged. Das "Spielen" sieht bei ihm anders aus als bei den meisten von uns.
Trotzdem nehme ich etwas mit: Der interessanteste KI-Entwickler der Stunde ist kein Silicon-Valley-Wunderkind. Er ist ein europäischer Gründer, der mit über vierzig seine Leidenschaft wiederfand. Nicht durch mehr Geld oder größere Teams, sondern durch weniger. Weniger Struktur, weniger Meetings, weniger Plan und mehr Vertrauen in den Prozess.
Ich weiß nicht, ob OpenClaw die Zukunft ist. Aber die Geschichte dahinter erinnert mich daran, warum ich angefangen habe, Dinge zu bauen. Und warum es sich lohnt, nach einer Pause weiterzumachen. Auch wenn der Weg dorthin alles andere als gerade verläuft.
Studio Christos ✺ KI Kreative Intelligenz
Quellen & Recherche
Alle Fakten in diesem Artikel basieren auf öffentlich zugänglichen Interviews, Blogposts und Berichten. Wer tiefer in Peters Geschichte einsteigen will – hier sind meine Quellen.