Elf Tage. So lange liegt zwischen der ersten OpenClaw-Konferenz und der Nachricht, die gerade durch die KI-Welt geht. Peter Steinberger, der Typ, der OpenClaw gebaut hat, wechselt zu OpenAI. Und OpenClaw? Wird eine Foundation.
Ich musste den Satz zweimal lesen. Nicht, weil ich ihn nicht verstanden habe. Sondern weil ich gerade erst angefangen hatte, OpenClaw zu verstehen – was es ist, welche Sicherheitsfragen es aufwirft und jetzt dreht sich das Spielfeld schon wieder.
Willkommen in der KI-Welt. Du blinzelst, und die Landkarte sieht anders aus.

Sam Altman schrieb auf X, Steinberger sei ein Genie mit Ideen über intelligente Agenten, die miteinander interagieren, um nützliche Dinge für Menschen zu tun. Er erwartet, dass das schnell zum Kern der OpenAI-Produktpalette wird. Keine Randnotiz. Kern. Das ist eine Ansage.
Peter Steinberger is joining OpenAI to drive the next generation of personal agents. He is a genius with a lot of amazing ideas about the future of very smart agents interacting with each other to do very useful things for people. We expect this will quickly become core to our…
— Sam Altman (@sama) February 15, 2026
Und Peter Steinberger selbst? In seinem Blogpost macht er klar: Er will die Welt verändern, nicht noch einmal eine Firma aufbauen. 13 Jahre hatte er das mit PSPDFKit schon hinter sich. Was ihn reizt, ist Zugang zu den neuesten Modellen, zu unveröffentlichter Forschung. Und die Freiheit, einen KI-Agenten zu bauen, den selbst seine Mutter benutzen kann.
Ich finde diesen Satz offen gesagt ziemlich genial, weil er das eigentliche Problem auf den Punkt bringt: OpenClaw ist aktuell nichts für Normalsterbliche. Es ist mächtig, aber komplex. Und Steinberger weiß das.
Warum OpenAI – und nicht Anthropic
Das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt hat. Weil sie mehr über die KI-Industrie verrät als jede Produktankündigung.
Die Optionen für Steinberger waren klar: Anthropic, OpenAI, Meta. Alle drei wollten ihn. Und die Entscheidung fiel überraschend eindeutig. Nicht wegen Geld – der Mann braucht kein Geld, er hat sein Unternehmen verkauft, war im Ruhestand, hat OpenClaw aus Spaß gebaut und die Serverkosten aus eigener Tasche bezahlt.
Was die Entscheidung beeinflusst hat, war etwas anderes. Und ich sage das ungern so direkt, aber die Faktenlage ist ziemlich klar:
- Anthropics erster Kontakt mit Steinberger kam nicht von Entwicklern. Er kam von deren Anwälten. Markenrechtliche Drohungen wegen des Namens „Claudebot", obwohl der anders geschrieben war und eindeutig kein Anthropic-Produkt
- Steinberger musste unter Druck den Namen ändern, erst hastig zu Moltbot, dann zu OpenClaw. Domains abgeben. @Handles wurden ihm weggeschnappt
- OpenAI? Sam Altman hat seine Telefonnummer. Peter rief an, um zu fragen, ob der Name „OpenClaw" okay ist. War er. Und das Gespräch hörte vermutlich nicht da auf
Anwälte versus Telefonnummer. Das sagt mehr als jede Pressemitteilung.

Dazu kommt: OpenAI hat die Codex CLI vollständig unter Apache-Lizenz veröffentlicht – mach damit, was du willst. Anthropic? Verklagt Entwickler, die versehentlich öffentlichen Code geteilt haben. Und sperrt ihre Schnittstelle so, dass du sie nur in Anthropic-Produkten nutzen kannst. OpenAI hilft aktiv dabei, dass Drittanbieter-Tools ihre Codex-Subscriptions nutzen können. Anthropic hat "OpenCode" als Begriff in den API-Headern geblockt.
Ich bin kein Anthropic-Hater. Claude ist mein Denkpartner, ich zahle dafür, ich nutze es täglich. Aber als jemand, der seit 2009 beobachtet, wie Unternehmen mit Entwicklern und Communities umgehen: Das Muster ist auffällig. OpenAI sammelt gerade systematisch die Gelegenheiten auf, die Anthropic liegen lässt.
Was das für die Zukunft von KI-Agenten bedeutet
Hier wird es für mich als jemand, der selbst mit künstlicher Intelligenz baut, mega interessant. Denn das ist kein normaler Acquihire. Es ist eine Wette auf eine komplett neue Produktkategorie.
Was bei OpenAI passiert, lässt sich so zusammenfassen:
- Steinberger wird etwas Neues bauen – nicht einfach OpenClaw in OpenAI integrieren, sondern die nächste Generation persönlicher KI-Agenten für den Massenmarkt
- OpenClaw bleibt als Open-Source-Projekt in einer Foundation bestehen, finanziert von OpenAI, aber formal unabhängig
- Die Zukunft ist laut Sam Altman "extrem multi-agentisch" – spezialisierte Agenten, die miteinander kommunizieren, um Aufgaben zu erledigen
Das klingt abstrakt. Aber wer OpenClaw benutzt hat, weiß: Es funktioniert schon heute. Du schickst eine Nachricht über WhatsApp, und dein Computer erledigt Dinge für dich. Mails sortieren, Dateien organisieren, Kalender managen. Keine App öffnen, kein Interface bedienen. Einfach sagen, was du brauchst.
Und genau das ist der Punkt, an dem ich gleichzeitig begeistert und skeptisch bin. Weil "Foundation" schön klingt, aber die entscheidende Frage offen bleibt: Wie unabhängig wird diese Foundation wirklich sein? Wer sitzt im Stiftungsrat? Wie viel Einfluss hat OpenAI auf die Roadmap?
ClosedClaw?!
In der Community macht bereits der Spitzname "ClosedClaw" die Runde – und die Analyse von Kilo bringt es auf den Punkt: Die Sorge ist berechtigt. Aber hier ist der Punkt, den viele vergessen: Open-Source-Code lässt sich nicht einsperren. Wenn OpenAI zu viel Einfluss nimmt, nimmt die Community den Code und baut weiter. Ohne OpenAI. Das ist kein theoretisches Szenario. Das ist in der Softwarewelt schon dutzende Male passiert.
- LibreOffice entstand, weil Oracle zu viel Kontrolle über das kostenlose Büroprogramm OpenOffice wollte. Heute nutzen Millionen LibreOffice, das Original ist praktisch tot.
- Firefox wurde aus den Überresten von Netscape gebaut, dem Browser, den Microsoft in den 90ern vom Markt gedrängt hatte und wurde zu einem der beliebtesten Browser der Welt.
- WordPress entstand, weil der Entwickler einer kleinen Blog-Software einfach aufgehört hatte. Zwei Leute nahmen den Code und bauten daraus das System, auf dem heute über 40 Prozent aller Websites laufen.
Vermutlich ist die Wahrheit irgendwo in der Mitte. OpenAI hat ein echtes Interesse daran, das Open-Source-Ökosystem zu unterstützen – weil eine multi-agentische Zukunft offene Standards braucht. Gleichzeitig wäre es naiv zu glauben, dass ein Unternehmen, das gerade Milliarden in KI investiert, keine strategischen Interessen damit verfolgt.
Was mich persönlich an dieser Geschichte am meisten beeindruckt: Ein Spielplatz-Projekt aus Europa, gebaut von einem Österreicher, der drei Jahre Pause vom Programmieren gemacht hatte, wird in wenigen Wochen zum am schnellsten wachsenden GitHub-Projekt aller Zeiten. Und dann holt ihn die größte KI-Firma der Welt.

Das ist keine Silicon-Valley-Story. Das ist eine Builder-Story. Und die Lektion dahinter ist simpel: Am Ende zählt, was du baust und wie du es zeigst. Nicht, wo du herkommst oder welchen Masterplan du hattest.
Die Zukunft der KI-Agenten wird gerade verhandelt. Zwischen offenen Foundations und geschlossenen Produkten. Zwischen Community und Corporate. Zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was für normale Menschen nutzbar wird.
Ich beobachte das weiter. Und ich lerne mit. Wie immer.
Studio Christos ✺ KI Kreative Intelligenz