Gleicher Kopf. Alles andere hat sich verändert.

Seit 2022 arbeite ich jeden Tag mit KI. Und die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, ist nicht welches Tool das beste ist. Sondern: Wie hast du das alles gelernt? Meine Antwort ist jedes Mal dieselbe: Indem ich aufgehört habe, so zu lernen, wie ich es in der Schule gelernt habe.

Denn obwohl ich zwei Ausbildungen habe, 17 Jahre Berufserfahrung und ein eigenes Business, lerne ich heute mehr als je zuvor. Das hat wenig mit Disziplin zu tun. Das hat mit dem Werkzeug zu tun.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Warum hat sich Lernen nie so angefühlt? Nicht in der Schule, nicht in der Ausbildung, nicht in den ganzen Jahren davor.

Künstliche Intelligenz ist für mich kein Trend, den man beobachtet. KI ist Teil meiner täglichen Arbeit. Ich habe einen RAG-Chatbot aus 500+ Video-Transkripten gebaut, SEO-Keyword-Clustering automatisiert, Prompt-Bibliotheken für mein Business aufgesetzt. Aber der Moment, der mich am meisten verändert hat, war kein Business Case. Es war der Moment, in dem ich gemerkt habe: KI hat mir die Schwere aus dem Lernen genommen.

Nicht zum Konsumenten von Content. Zum echten Lerner.

Mann schließt entspannt die Augen. Text: Lernen mit KI. Warum hat sich Lernen nie so angefühlt?

Das Problem war nie dein Kopf

Die meisten Menschen prallen beim Lernen an einer Wand ab und denken: Ich kann das nicht. Die Wand ist das Problem, nicht der Kopf.

Andrej Karpathy nennt es Rampen, gute Bildung baut Rampen statt Wände.

Sein Beispiel: Ein persönlicher Tutor, der in Minuten versteht, wo du stehst, und dir genau das gibt, was du jetzt brauchst. Nicht zu schwer. Nicht zu leicht. Immer an der Kante.

Grüne und lila 3D-Strukturen kollidieren. KI bricht starre Lernmuster auf und passt sich dynamisch an das eigene Tempo an.

Was übrig bleibt, bist du. Nur du und dein Tempo, dein Kopf, deine Kapazität. Nicht das Material steht im Weg, nicht die Erklärung, nicht der Zugang. Und das fühlt sich so anders an als alles, was die meisten von uns aus Schule oder Uni kennen.

Das ist krass, wenn man drüber nachdenkt. Und gleichzeitig beschreibt es exakt, warum die meisten Menschen vom Lernen frustriert sind: Sie prallen an Material ab, das zu schwer oder zu leicht ist. Kein Feedback-Loop, kein Kontext, keine Anpassung.

Lernen fühlt sich schlecht an, wenn du gegen eine Wand läufst. Es fühlt sich gut an, wenn jemand die Wand in eine Rampe verwandelt.

Genau das macht gute Bildung: Rampen bauen. Nicht Wissen in Köpfe pressen, sondern Wege schaffen, auf denen Menschen selbst vorankommen. Karpathy nennt es „Eurekas per second" – Verständnis pro Sekunde. Das ist die Metrik, die zählt. Nicht Stunden im Kurs. Nicht Zertifikate an der Wand.

Verstehen kommt vor Verändern

Und hier kommt der Punkt, an dem meine 17 Jahre UX-Erfahrung plötzlich eine andere Bedeutung bekommen. Denn was Karpathy über Lernen beschreibt, kenne ich aus einem ganz anderen Kontext: Change Management in Unternehmen.

Bei der ERGO Group sollte ich ein Design-System einführen. 100 Jahre alter Versicherungskonzern. Die Hälfte meiner Arbeit war nicht UX – sie war Überzeugungsarbeit. Bei HessenForst habe ich fast drei Jahre lang Behördenmitarbeitern UX-Denken beigebracht. Menschen mit 20+ Jahren Berufserfahrung, die nicht auf mich gewartet haben.

UX-Design mit KI: So wenig wie möglich, so viel wie nötig
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Was ich dabei gelernt habe, und das ist vermutlich die wichtigste Erkenntnis meiner gesamten Karriere: Adoption ist nie ein Technologie-Problem. Es ist ein Mensch-Problem. Du kannst das beste Tool der Welt haben, wenn du nicht verstehst, warum Menschen es nicht nutzen, wird es verstauben.

Das gilt für Design-Systeme. Das gilt für KI-Tools. Und es gilt für Bildung.

Leuchtende Partikelstränge. Künstliche Intelligenz schafft individuelle Wege und verwandelt starre Lern-Wände in Rampen

Wer Menschen befähigen will, muss erst zuhören. Das klingt nach einer Phrase aus einer Unternehmensberatung, aber ich meine es wörtlich:

  • Bei HessenForst habe ich keine abstrakten Methodik-Vorträge gehalten, sondern Workshops an echten Projekten der Teams gebaut
  • Bei ERGO habe ich das Design-System nicht als neue Aufgabe positioniert, sondern als Lösung für bestehende Pain Points
  • Bei wenighair habe ich Online-Kurse für ein Tabuthema erstellt und gemerkt, dass du die Menschen verstehen musst, bevor du ihnen irgendwas anbietest

Das Menschenzentrierteste, was du tun kannst, ist nicht sofort zu helfen, sondern erst zu verstehen, wo es eigentlich hakt. Fragen zu stellen, bevor du Antworten gibst.

Das Fitnessstudio für den Kopf

Karpathy hat eine Analogie benutzt, die ich seitdem nicht mehr loswerde: Bildung wird irgendwann sein wie das Fitnessstudio. Niemand geht ins Gym, weil wir Muskelkraft zum Überleben brauchen. Maschinen machen das längst besser. Menschen gehen hin, weil es sich gut anfühlt. Weil es gesund ist. Und niemand postet sein Gym-Selfie wegen der „funktionalen Mobilität".

Lernen wird genauso funktionieren. Wenn das Material stimmt, wenn die Rampe passt, wenn du nicht ständig gegen Wände prallst, dann lernen Menschen freiwillig. Nicht weil sie müssen. Weil es Spaß macht.

Ich erlebe das gerade selbst. Ich überlege, einen Bachelor in Angewandter KI zu machen. Nicht, weil mir ein Abschluss fehlt. Ich habe zwei Ausbildungen, 17 Jahre Praxis, ein laufendes Start-up. Sondern weil mir Lernen mit künstlicher Intelligenz so viel leichter fällt, dass die Barrieren, die mich früher gestoppt haben, einfach weg sind.

Und das bringt mich zur eigentlichen Frage: Wenn KI uns zu besseren Lernern macht, was bedeutet das für Bildung als System?

Vermutlich, dass wir aufhören müssen, Bildung als Pipeline zu denken. Rein, durch, fertig, Zertifikat. Stattdessen: Bildung als offenes System, das sich an den Menschen anpasst. Rollenbasiert, kontextbezogen, auf Augenhöhe. Nicht „hier ist der Stoff, lern ihn", sondern „wo stehst du, und was brauchst du als Nächstes?"

Partikel strömen aus einem Prisma. Eureka-Momente beim Lernen mit KI: Wenn Verstehen plötzlich im eigenen Rhythmus passiert.

Okay, das klingt utopisch. Ist es vielleicht auch. Aber offen gesagt fühlt sich vieles, was künstliche Intelligenz gerade möglich macht, utopisch an, bis es plötzlich Realität wird.

Was ich weiß: Ich lerne heute besser als mit 20. Mein IQ ist derselbe. Meine Geduld vermutlich auch. Aber die Art, wie ich an Wissen herankomme, hat sich komplett verändert. Weil die Werkzeuge sich endlich an mich anpassen, statt umgekehrt. Und wenn das für mich funktioniert, funktioniert es für andere auch.

Ich weiß nicht, ob künstliche Intelligenz, Bildung revolutioniert. Das Wort ist mir zu groß. Aber ich weiß, dass ich zum ersten Mal das Gefühl habe, dass Lernen für alle gleich zugänglich sein könnte. Nicht irgendwann. Jetzt.

Studio Christos ✺ KI Kreative Intelligenz

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