Jeder zweite LinkedIn-Post klingt gerade so, als wäre künstliche Intelligenz der Meteorit und wir die Dinosaurier. Sind wir nicht.

Ich arbeite seit 2022 jeden Tag mit KI. Nicht gelegentlich, nicht als Experiment, sondern als festen Teil meiner Arbeit als UX-Designer, Gründer und Stratege. Und nach über drei Jahren mit Large Language Models kann ich eine Sache mit ziemlicher Sicherheit sagen: KI hat mich nicht ersetzt. Sie hat mich verändert. Und der Unterschied zwischen diesen beiden Sätzen ist größer, als die meisten denken.

KI-Integration: Mehr testen, schneller lernen, liefern
Künstliche Intelligenz in der Praxis: RAG-Chatbot beantwortet 200+ Anfragen automatisch. KI-Automatisierung für schnellere Entwicklung und Tests.

Was die Angst wirklich füttert

Die Ersetzungs-Angst kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus einem Missverständnis darüber, was KI eigentlich ist. Viele Menschen sehen künstliche Intelligenz als eine Art digitalen Kollegen, der irgendwann schneller, billiger und besser arbeitet als sie selbst. Und dann? Licht aus.

Aber so funktioniert das nicht. Nicht mal annähernd.

Wenn KI deinen Job ersetzen kann, war es vielleicht nicht dein Job. Sondern eine Routine.

Sebastian Raschka, einer der profiliertesten KI-Forscher weltweit, bringt es auf einen Punkt, der bei mir hängen geblieben ist: Du hast immer noch die Entscheidungsfreiheit. Die KI nimmt sie dir nicht. Sie wird ein Werkzeug. Du sagst ihr, was sie tun soll. Nicht andersherum. Klar, sie ist mächtiger als ein Hammer. Sie kann Dinge herausfinden, Zusammenhänge erkennen, Code schreiben. Aber – und das ist entscheidend – sie entscheidet nicht, was gebaut werden soll. Das tust du.

Ich habe in meinem letzten Artikel darüber geschrieben, ob KI, Programmierer ersetzen wird. Meine Antwort war: Es geht nicht um Ersetzen, sondern um Verschieben. Und genau diese Verschiebung betrifft nicht nur Entwickler. Sie betrifft uns alle.

Wird KI Programmierer ersetzen? ✺ Warum die Frage falsch ist
Künstliche Intelligenz löst Programmieren, wie Taschenrechner das Rechnen. Was das für Software-Entwickler und Kreative bedeutet.

Was sich verschiebt, wenn du KI wirklich nutzt:

  • Deine Zeit fließt weniger in Ausführung und mehr in Richtungsentscheidungen
  • Du wirst vom Macher zum Dirigenten, der weiß, was gespielt werden soll
  • Dein Wissen wird nicht weniger wert, sondern anders wertvoll
  • Die Frage ist nicht mehr „Kann ich das?" sondern „Weiß ich, was ich will?"
KI ersetzt nicht Menschen. Sie ersetzt fehlende Klarheit darüber, was man eigentlich bauen will.

Was mir drei Jahre KI-Alltag wirklich beigebracht haben

Die Agency-These (Entscheidungsfreiheit) klingt auf dem Papier wunderbar. In der Praxis? Ist es komplizierter.

Sebastian Raschka hat noch etwas gesagt, das mich nicht mehr loslässt: Wenn du KI für alles nutzt, was du liebst, dann ist das, was du liebst, irgendwann weg. Du managst nur noch etwas, das für dich arbeitet. Und nach zwei Jahren fragst du dich: Bin ich noch erfüllt?

Das hat mich getroffen, weil ich genau das gespürt habe. Es gab Phasen, in denen ich so viel an KI delegiert habe, dass mir der kreative Kern meiner Arbeit fehlte. Das Schreiben, das Denken, das Ringen mit einer Idee, bis sie sitzt. Ich weiß nicht ob das Sinn macht, aber es war, als hätte ich mir selbst die Arbeit weggenommen, die mich eigentlich antreibt.

Also habe ich angefangen, bewusster zu entscheiden. Nicht „Was kann KI übernehmen?", sondern „Was will ich behalten?"

Das sind die Fragen, die mir dabei geholfen haben:

  • Macht mir diese Aufgabe Energie oder kostet sie mich welche?
  • Werde ich besser durch die Arbeit oder nur schneller fertig?
  • Braucht das Ergebnis meine Perspektive oder nur eine kompetente Ausführung?
  • Fühlt sich das Ergebnis noch nach mir an?
Studio Christos Stavrou mit Zitat: Wenn KI deinen Job ersetzen kann, war es Routine. Fokus auf menschliche Agency.

Und hier liegt der eigentliche Punkt: Künstliche Intelligenz verändert nicht, was du kannst. Sie verändert, was du musst. Und das zwingt dich dazu, herauszufinden, was du wirklich willst. Manche finden das befreiend. Ich fand es anfangs offen gesagt ziemlich unbequem. Weil die Antwort nicht immer nice war.

Aber genau das macht es wertvoll. Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für dich. Sie ist ein Spiegel. Und Spiegel zeigen dir nicht nur, was du gut kannst, sondern auch, wo du dich versteckst.

Ich verstecke mich weniger als früher. Nicht, weil KI mir Mut macht. Sondern weil sie mir die Ausreden nimmt.

Und weißt du was? Das ist vermutlich das Unbequemste und Beste, was mir beruflich passieren konnte.

Studio Christos ✺ KI Kreative Intelligenz

Link wurde kopiert!